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 Ortsteil Ennenda

Ortsteil Ennenda

478 m ü. M.
2649 Einwohner (Stand 1.1.2018)

Ennenda ist auf der rechten Seite der Linth gegenüber von Glarus am Fuss des Schilt gelegen. Die Dorfgründung erfolgte auf dem Schuttkegel der Ätzgenrunse. Ennenda besteht aus dem fächerförmigen Ennenda mit dem am Abhang liegenden ältesten Dorfteil Oberdorf, dem Weiler Sturmigen, der Dorfschaft Ennetbühls und der Bergsiedlung Ennetberge. 1303–07 werden Obront-Ennant-A und Nydern-Ennant-A erstmals schriftlich erwähnt. Der Ortsname ist ein Hinweis darauf, dass die Bewohner den Talfluss im Mittelalter einfach aha „Wasser, Fluss“ nannten. 1554 zählte Ennenda 204 Einwohner; 1701 277 oberjährige männliche evangelische Landleute. 1763 bewohnten das Dorf über 1000 Menschen; im 19. Jahrhundert knapp 2500; nach 1950 rund 3000.

In früher Neuzeit bildete Ennenda einen der fünf kleinen Tagwen des Landes. Die Ennendaner waren nach Glarus kirch-, ab 1594 auch schulgenössig. 1528 erfolgte der Übertritt zur Reformation. 1774 wurde die reformierte Kirche, 1775 das Pfarrhaus gebaut. Die Mehrheit der Ennetbühlser blieb bis 1877 bei der Kirche von Glarus.

Im Mittelalter wurde wohl weitgehend selbstversorgende Landwirtschaft betrieben. Erst nach Eindämmung der Linth im Verlauf des 16. Jahrhunderts konnte auch der ebene Talboden genutzt werden, vorerst als Allmende. Schon 1417 sind aber an dessen Rand Mühle, Säge, Hanf- und Flachsstampfe bezeugt. 1616 begann Jakob Bellersheim aus Hessen Schiefertische herzustellen. Der Schiefer wurde vor allem in Engi abgebaut. Dank des Aufschwungs dieses Gewerbes waren von Mitte des 17. Jahrhunderts bis etwa 1750 zeitweise fast alle Haushalte an der Herstellung oder am europaweiten Export von Schiefertischen beteiligt. 1670 wurde eine Indigofärberei am Dorfbach bei Ennetbühls errichtet. Als Handelsdorf erlebte Ennenda in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts goldene Jahre. 1750 liess sich die „Wienerhandlung“ Jenny-Aebli & Co., eine der grössten Handelsgesellschaften der alten Eidgenossenschaft mit Hauptsitz in Wien, nieder, die Leinwand und Baumwolle nach Österreich, Ungarn, Polen und Russland ausführte. Im gleichen Zeitraum entstanden die „Deutschländerhandlung“ der Firma Markus Oertli & Sohn in Riga sowie die „Holländer Handelsgesellschaft” Weber-Aebli & Co. mit Niederlassungen in Amsterdam, London und St. Petersburg. Sie handelten unter anderem mit Ziger, Dörrfrüchten, Tee und Harthölzern. Die langgestreckte Mülizeile wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut und ist ein Beispiel für die spätere, im ganzen Kanton verbreitete Zeilenbauweise. Nach dem Untergang der Handelsfirmen etablierten sich im 19. Jahrhundert vor allem Stoffdruckereien mit den charakteristischen Tröcknetürmen („Hänggitürme”). „Im Trümpigen“ ist die Zeugdruckerei Daniel Jenny & Co. fast vollständig erhalten geblieben, sie beherbergt heute unter anderem ein Museum für Ingenieur-Baukunst. Einzig ein Kanal erinnert noch daran, dass im Dorf von 1850–1887 der Industriekomplex Freuler stand. 1885 wurde die Feinpappenfabrik Tschudi & Cie. in Ennetbühls gegründet. Auf dem Talboden entstanden neue Wohnquartiere und prächtige Villen. Im 20. Jahrhundert lösten neue Industriezweige die Stoffdruckereien ab (unter anderem im Bereich Teppichherstellung, Metallwaren, Aufzüge, Elektroapparate, Konfiserieprodukte).

1786 wurde eine Schule im Pfarrhaus eröffnet, 1832 das erste Schulhaus des Kantons eingeweiht. 1880 folgte der Bau des Gemeindehauses. 1894 erstellte die freie evangelische Gemeinde eine eigene Kapelle und gründete 1917 das Alters- und Pflegeheim Salem (Neubau 1987). 1975 eröffnete das Alterswohnheim Bühli seine Türen. Das intakte Dorfbild ist von nationaler Bedeutung.

1922–24 wurde die Strasse in die Ennetberge gebaut. Ein Wildreservat besteht im Gebiet des Ski- und Wanderbergs Schilt. Mächtige Felsblöcke sind Zeugen einstiger Bergstürze. Am Gässlistein erinnert eine Gedenktafel an Jakob Oberholzer, den Erforscher der Glarner Geologie. Der 1918 geborene spätere Basler Geschichts-Professor Herbert Lüthy schrieb in seiner Schülerzeit „Die Bilderhandschrift von Ennenda“.